Ägypten und warum Börsianer Kriege lieben

Ist Ihnen aufgefallen, dass es in den Märkten plötzlich aufwärts geht, seit im Nahen Osten wieder mal Gewalt eskaliert?  Allen scheinheiligen Panikmachern in den Medien zum trotz setzen die Börsianer auf das Wachstum.  Noch vor einer Woche war doch vom Aufstand der gesamten Nahostregion die Rede. Man nahm die Kurstürze auf den arabischen Börsen wahr, prophezeite die nächste Ölkrise usw.Beispiel “Manager Magazin”

“Eskalation in Kairo drückt den DAX”.

http://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/0,2828,742122,00.html

Und heute? Tatsächlich verlor der Dubai Financial Market Index seit November fast 200 Punkte, ca. 15%. Vom Crash kann also keine Rede sein, zumal der Index inzwischen wieder leicht gestiegen ist. Heute hat die Börse allerdings zu.

Quelle: http://www.dfm.co.ae/

Ähnlich die ägyptische Börse. Sie bleibt natürlich auch geschlossen.

Ganz anders die westlichen Börsen. Hier sehen wir nach der Heuchlerei der ersten Stunden den typischen Zynismus des Kapitalismus. Sobald es mit Waffengewalt zugeht, wird auf steigende Aktienkurse gesetzt. Gedrückt werden scheinabar die Kurse immer nur durch die Angst vor dem Krieg, nicht aber durch den Krieg selbst.

Die Logik der Börsen überrascht mich selbst immer wieder. Aber eigentlich ist sie nachvollziehbar. Das Unbekannte ist ein Störfaktor Nummer Eins, nicht die Tatsachen. Das zum einen, zum anderen bringen Naturkatastrophen und Kriege stets neue Chancen für Unternehmen, die sich am Aufbauprozess beteiligen werden. Damit kan mehr gebaut werden und gerade in der besagten Region die ohnehin hohe Geburtenraten übertroffen werden können. Und der Kapitalismus setzt ja auf das unendliche Wachstum und noch mehr Menschen und noch mehr Zerstörung, oder?

Eine Ausnahme von der zynischen Logik der Börsen ist eine Situation, wo reelle Gefahren für den Wiederaufbau bestehen, zum Beispiel wenn die Erdölquellen direkt betroffen sein könnten. Es muss aber eine echte Bedrohnung bestehen. Davon sind wir in Äfgypten weit entfernt, da die dortigen Ölquellen lediglich 1% der weltweiten Fördermenge ausmachen.

Unten sehen Sie ich einen langfristigen Chart des Dow Jones  seit 1900. Beim genauen Hinschauen entdeckt man schnell, dass die positive Korrelation zwischen Krieg und Börse im 20. Jahrhundert  stets beobachtet werden konnte.

Quelle Wikipedia

Logarithmische Darstellung

Ich bin kein Politik-Experte, aber ein Zusammenhang ist in folgenden Fällen offensichtlich:

1. Zweiter Weltkrieg. Nach dem Sieg der Faschisten in Italien und Deutschland stiegen die Kurse zunächst stark an. Die Große Depression schien überwunden. Danach so ab 1937 hing es schrittweise runter. Die Angst vor dem Krieg ist deutlich zu sehen. Der Krieg bricht aus und weitet sich auf immer mehr Länder aus. Und was macht die Börse?  Zunächst fällt der Dow Jones noch ein wenig, um dann ab 1942 eine Trendwende zu vollziehen. Danach ging es bis in die 60-er Jahre nur noch aufwärts.

2. Vietnamkrieg. Ich will hier nicht auf einzelne Kriegsabschnitte eingehen. Er dauerte lange. Dennoch hat sich dieser Krieg nicht negativ auf die Märkte ausgewirkt. Im Gegenteil. 1970 kam es zu einer massiven Eskalation und der Dow setzte zum Höhenflug. Er stieg bis 1972 um 40%!

3. Danach 1973 kam es zu der ersten Ölkrise, die Märkte brachen ein, um sich 1974 zu erholen. Was es alles nicht gab: RAF, Palästina-Konflikt, unzählige Entführungen und Kriegsrethorik. Nein, nicht der Friedenwille des Willy Brand sondern die harte Linie des Halmut Schmidt schien die Märkte mehr zu überzeugen. Diese Entwicklung gilt auch für Deutschland.

Hier zwei historische Fakten ( Quelle Handelsblatt):

DAX am 30.11.1974 401

DAX am 28.02.1976  567

4. Dann ging es los mit dem kalten Krieg, Ronald Reagan, Dr. H. Kohl und nicht vergessen Kriegszustand in Polen am 13.12.1981. Dessen Einführung habe ich selber als direkte Zeuger sozusagen erlebt. Nun damals freute ich mich natürlich über den Unterrichtsausfall bis zum Jahresende, andererseits war ich treurig, meine Verwandschaft in der BRD nicht mehr sehen zu können. Wie auch immer alle diese kriegerischen Ereignisse halfen den Börsen nur. Der Dow und Co. setzten zu einer Monsterrally, die erst 2000 zu Ende ging.

5. Diverse Golfkriege. Der erste zwischen Irak und Iran begann 1980 und dauerte bis 1988.

6. Und last but not least, würde smarter Frankfurter Banker sagen, der letzte Krieg zur Befriedung des Irak. Könnt Ihr Euch noch an März 2003 erinnern? Monate zuvor war nur ein Thema in den Nachrichten. Krieg oder Frieden, Atomwaffen und was macht Deutschland. Der DAX markierte täglich neue Tiefs. Und was geschah, als die ersten Bomber die Befreiungsaktion über dem Irak begannen??? Na klar, exakt ab diesem Tag ging es bis 2007 faktisch nur noch aufwärts.

Und so haben wir mein seit langem andauerndes Dilema gelöst. Ich frage mich schon seit Monaten, welche Impulse den Markt weiter vorantreiben sollen. Die chartetchnischen Signale reichen nur noch für ein paar Tage aus. Und die volkswirtschaftlichen Zahlen sind größtenteils eingepreist.

Nein, der Krieg wird zum Börsentreiber. Je länger die Unruhen dauern, desto sicherer können wir auf die Fortsetzung der Rally wetten, oder?

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Kommentare

  • nied  On Februar 4, 2011 at 6:13 nachmittags

    In Ägypten gibt es Unruhen, Bürgerkrieg in den Hauptstädten und die westlichen Ländern finden zu keinem gemeinsamen Standpunkt. Die einen, wie Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon fordern sofort freie Wahlen, während Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi Mubarak den Rücken stärkt. Vielleicht ist das auch ganz gut so, denn letztlich muss das Ägyptische Volk entscheiden, wie es weitergehen soll. In meinen Augen ist dieser Mohamed ElBaradei nur einer, der jetzt auf den fahrenden Zug aufspringen will um mal schnell ein Präsidentenamt abzustauben. Der ist in meinen Augen auch nicht demokratisch legitimiert.

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